Wort an die Gemeinde
Liebe Gemeindeglieder und Interessierte,
in den letzten Tagen hatten wir viele glasklare Winternächte. Nächte, in denen kein Licht stört und das Himmelszelt sich weit über uns aufspannt. Die klare Sicht auf die abertausenden Sterne raubt mir immer den Atem. Sie glitzern, blinken so unendlich fern und sind doch zum Greifen nah. Manche hell strahlend und scheinbar groß, manche als kaum sichtbare Punkte. Viele stehen für sich, einige sind zu kleinen oder großen Haufen gruppiert. Ob sie wirklich noch leuchten oder ob das Licht schon erloschen ist, bis es uns erreicht, wissen wir nicht. Wir schauen und staunen, halten vielleicht Ausschau nach einer Sternschnuppe…

Viele Kulturen der Antike deuteten Sterne als göttliche Mächte oder Zeichen des Schicksals. Doch die Bibel setzt dem einen eigenen Blick entgegen — einen Blick, der den Himmel nicht als Ort magischer Mächte versteht, sondern als Ort, an dem Gott sich selbst und seine Größe offenbart. So sind die Sterne immer wieder Bilder für Gottes Verheißung. Sie stehen für Hoffnung und Zukunft – auch dort, wo menschlich keine Aussicht mehr ist. Wie Abraham unter dem weiten Nachthimmel aufgefordert wird: „Sieh gen Himmel und zähle die Sterne“. Er hebt den Blick nach oben, in den weiten Bogen des Firmaments, weg von sich selbst und hinein ins Offene. „So zahlreich sollen deine Nachkommen sein“ verheißt ihm Gott. Und „Abraham glaubte dem Herrn“ (Gen 15,5f). Er lässt sich herausziehen, ins Leben hinein, in den Mut zum nächsten Schritt. Oder der Stern von Bethlehem. Als kleiner Lichtpunkt in der Dunkelheit, weist er den Weisen aus dem Morgenland den weiten Weg zum neugeborenen Kind in der Krippe. Sie folgen ihm, durch alle Strapazen einer solchen Reise hindurch und kommen am Ende an ihrem Ziel an. Sie gehen der Sache nach, obwohl sie nicht genau wissen, wohin sie führen wird. Sie lassen sich erleuchten und „zogen auf einem andern Weg wieder in ihr Land“ (Mt 2,12). Und der Morgenstern, mit dem Jesus Christus sich selbst bezeichnet (Off . 22,16). Der Stern ist als Planet Venus am Abend als erster nach dem Sonnenuntergang und dann wieder am Morgen als der letzte Stern vor dem Sonnenaufgang sichtbar. Er begleitet uns also durch die ganze Dunkelheit der Nacht und kündigt am Ende den Beginn eines neuen Tages an. Zweifellos kann einem Angst und Bange werden, wenn wir in den weiten Nachthimmel schauen – so unermesslich, so still, so voller Sterne. Genauso kann uns die Offenheit unserer Zukunft manchmal erschrecken. Und doch bleibt da die andere Seite: die Schönheit, das Verheißungsvolle, die Hoffnung. Jedes Licht am Himmel kann uns daran erinnern, dass es etwas gibt, das größer ist als wir, etwas, das wir nicht vollständig greifen können – aber auf das wir vertrauen dürfen So dürfen wir unter dem Sternenhimmel staunen über den, der Himmel und Erde gemacht hat und gewiss sein, dass Gott uns nahe ist. Denn: Sein Licht ist stärker als jede Dunkelheit
Ihre Pfarrerin Christine Milkau

